Freunde fürs Leben.

JA, ich will...

Einmal um die Wette watscheln...

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Frau Brammer erwartete uns am Eingang mit einer kleinen Überraschung. Auf dem Weg zur Anlage erfuhren wir, wie schwierig die Vereinsarbeit während des Lockdowns war und dass selbst den Tieren die Besucher fehlten. An der Anlage angekommen, schwammen fasst alle Tiere im Becken, um sich den hochsommerlichen Temperaturen zu entziehen. Kurz nach uns traf die Tierpflegerin Anna ein und sie führte uns gleich hinter die Kulissen. Sie zeigte uns als Erstes den Weg zur Futterküche und holte einen vollen Eimer Heringe aus der Kühlung.

Auf dem Weg zum Zugang zur Pinguinwelt berichtete sie, wie der Fisch gelagert und vorbereitet wird. Am Eingangstor angekommen, ging es hinein in eine uns unbekannte Welt. Der mitgebrachte Fisch wurde abgewaschen und in einer Extraschüssel waren noch vier präparierte Fische drin. Diese mussten noch zugeteilt werden. Dabei erfuhren wir, dass durch das Einfrieren der Fische Vitamine und Mineralien verloren gehen und durch entsprechende Präparate dieser Mangel ausgeglichen wird. Dazu wird die Tablette in den Fisch eingelegt und dann den Tieren verfüttert. Dies erfolgt auf entsprechende Zuteilung, so dass jeder Pinguin seine Mineralien erhält. Bei der morgendlichen Fütterung fehlten noch vier Pinguine und diese waren nun an der Reihe.

Anna wies uns kurz in den Ablauf ein. Sie ging davon aus, dass die Tiere auf Grund der Hitze nicht viel fressen werden. Denen ging es sicher wie uns, denn wir hatten auch nur Appetit auf ein Eis. Anna sagte, dass eines der Jungtiere uns am Tor erwarten und kaum von unserer Seite weichen wird. Da er von Hand aufgezogen wurde, ist er sehr an die Abläufe der Tierpflegerinnen gewöhnt. Dabei wies sie auch auf das Verhalten der Tiere hin und dass auch die ein oder andere Blessur davongetragen werden kann. Sie konnte ein paar Beispiele von morgens zeigen, wo ein Pinguin aus Versehen zugeschnappt hat.

Am Hals gekrault werden gefällt mirjpgWir zogen uns Gummihandschuhe über und wurden zu aller Überraschung von fast der ganzen Pinguinmannschaft am Tor erwartet. Anna musste sie erst einmal im Zaum halten, dass keiner ins Hinterland durchschlüpft. Nachdem die Schleuse geschlossen war, sprang der Großteil der Tiere ins Wasser und schwamm nach draußen ins große Becken. Nur zwei Pinguine und dabei, wie angekündigt, der Jüngste begleiteten uns durch die Tür direkt auf die Anlage. Flink watschelten sie sicher über den steinigen Boden und waren dabei eleganter unterwegs als wir.

An der Stelle, wo die Tiere aus dem Wasser robben können bezogen wir Aufstellung zur Fütterung. Dabei wich uns der Kleinste weiterhin nicht von der Seite und lugte schon in den Eimer. Anna musste zuallererst einen Schwung Fische ins Becken werfen, sonst wären wir überrannt worden. Sie hatte dabei alle im Blick und konnte so die präparierten Fische den richtigen Tieren reichen. Es war ein ganz schönes Gewusel, nur unser Kleiner blieb neben uns und ließ sich in aller Ruhe einen Fisch nach dem Anderen geben. Schon erstaunlich, wie schnell die Fische runtergeschluckt werden. Dabei ließ er sich am Kopf und Hals kraulen, was er sichtlich genossen hat. Immer wieder schmiegte er sich dabei mit seinem Schnabel an einen an. Wie wir erfuhren, ein Zeichen von wohlfühlen und Geborgenheit. Die Pinguine kuscheln halt gern.Mjam mjam mjam Hering schmeckt mirjpg Es ist überwältigend, wenn man so nah bei den Tieren ist. Wenn man sie dann auch noch streicheln kann und sie sich dabei wohlfühlen, ist es einfach ein gigantisches Erlebnis.

Wie vermutet, war der Hunger nicht so groß, so dass der halbe Eimer voller Fisch wieder ins Kühlhaus zurückgebracht wurde. Der Großteil der Pinguine hatte sich schon wieder Abkühlung im Wasser gesucht. Damit der Kleine nicht traurig zurückgelassen wird, hatte Anna mit ihm nochmal gekuschelt und sich ordentlich verabschiedet. Wir gingen zurück hinter die Anlage, wo uns die Brutboxen gezeigt wurden und wir die zwei auf der Anlage fehlenden Pinguine sehen konnten. Beide waren in der Mauser und hatten sich in die kühlen Boxen zurückgezogen. Wie uns erzählt wurde, geht es den Tieren bei der fünftägigen Mauser ähnlich wie uns Menschen mit Migräne. Die Zwei hatten unser vollstes Mitleid, denn selbst Fressen wollten sie nicht. Das ist aber kein Grund zur Sorge, sondern natürliches Verhalten. In der Zeit der Mauser sind die Tiere zwar geschwächt, erholen sich dann aber meist wieder schnell.

Nun musste noch schnell aufgeräumt werden. Die Handschuhe wurden abgewaschen und zum Trocknen aufgehängt und der Fisch für den nachfolgenden Tag in die Kühlkammer gebracht. Die Zeit verging wie im Flug und durch die ganze Aufregung haben wir sogar einen Teil unserer Fragen vergessen. Am Ende zählt der Einblick in den schönsten Teil der Tierpfleger - Arbeit, welcher uns mit voller Begeisterung von Anna gezeigt wurde.
Vor der Anlage erwartete uns Frau Brammer zur Verabschiedung und daran anschließend gab es für uns dann das Eis im „Pinguincafé“.
Als wir später noch einmal an der Anlage vorbeigingen, kamen gerade beide Mauserpatienten aus ihren Höhlen und haben mal sehnsüchtig ins Wasser geschaut. So ganz, als wollten sie sich von uns verabschieden…

Es war ein tolles Erlebnis und dafür bedanken wir uns bei Frau Brammer und der lieben Tierpflegerin Anna recht herzlich.

Sven & ToFi