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Winfried Gensch und die ZOO-FREUNDE DRESDEN e.V.

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Die Gefühle, die Winfried Gensch dem Dresdner Zoo seit über siebzig Jahren als Besucher, Mitarbeiter und Unterstützer entgegenbringt, sind ruhiger und beständiger Natur. 1961 war der studierte Biologe am Tag nach seiner letzten Prüfung zum ersten Arbeitstag als Assistent im Dresdner Zoo angetreten.

Zu dem Zeitpunkt kannte er die Anlage und ihre Bewohner schon gut, während des Krieges ist Winfried Gensch als Kind oft mit seiner Mutter hierher gekommen. „Das Brüllen der Löwen hat mich besonders fasziniert, das war für mich eine Art Musik.“

Nach der Zerstörung Dresdens musste die Familie wegziehen, Besuche in der Heimatstadt hat der junge Winfried Gensch aber stets für einen Ausflug in den Zoo genutzt, ausgestattet mit der Jahreskarte seines Onkels.

Mittlerweile - 2013 - ist er über siebzig, hat 35 Jahre lang bis zur Rente im Dresdner Zoo gearbeitet und kümmert sich nun um das Archiv. Ein Ereignis, das dort vermerkt ist, ist die Gründung der„ZOO-FREUNDE DRESDEN e.V.“, ein gemeinnütziger Verein mit mittlerweile 500 Mitgliedern. Durch deren Beiträge und großzügige Spenden konnte der Verein seit seiner Gründung 1992 etwa 5 Millionen Euro organisieren, mit denen er den Zoologischen Garten Dresden bei der Schaffung neuer Anlagen unterstützt.

Denn ein Zoo muss und soll sich ständig erweitern und erneuern, doch moderne Anlagen sind teuer und Dresden wird seit jeher als Kulturstadt gehandelt, da hat der Zoo nicht immer Priorität, wenn es um die Verteilung von städtischen Geldern geht.

Der Grund für Winfried Gensch’s Einsatz für den Zoo ist die Faszination, die die Tiere auf ihn ausüben und die daher rührt, dass sie, obwohl jahrelang scheinbar unverändert, doch immer wieder neue und überraschende Seiten von sich preisgeben und nie berechenbar sind. In besonderem Ausmaß hat er das bereits in den sechziger Jahren erlebt.

Damals kam es während einer Orang-Utan-Geburt zur Auseinandersetzung zwischen der werdenden Mutter und dem Vater. Das riesige Orang-Männchen begann, die Gebärende zu bedrängen, war aggressiv und ließ sich von den Mitarbeitern nicht aus dem Gehege entfernen. Eine höchst gefährliche Situation für alle Beteiligten. Als das Köpfchen des Orang-Babys schließlich zum Vorschein kam, nahm das Männchen es zwischen die Lippen und leistete, plötzlich lammfromm, Geburtshilfe. „Das war, als hätte sich ein Schalter umgelegt“, erinnert sich Winfried Gensch. Den Tierpflegern blieb in diesem Moment nichts, als staunend daneben zu stehen und das Geschehen aus der Distanz zu verfolgen.

Diese besonderen Momente mit den Tieren sind es, die Winfried Gensch und die Mitglieder der ZOO-FREUNDE DRESDEN e.V. immer wieder zu ihrem unermüdlichen Engagement anspornen. Über die Jahre hat der Zoo Dresden an Popularitätgewonnen. Er kann als lokaler Identitätsstifter mithalten, denn es ist schwer, einen Dresdner zu finden, der nicht wenigstens ein Mal im Jahr in den Zoo geht oder es zumindest schon längst mal wieder vorhatte.

Durch das Engagement der ZOO-FREUNDE DRESDEN e.V. und der Besucher wirkt der Zoo auch über lokale und regionale Grenzen hinaus und gehört zu den Aushängeschildern Dresdens.

Sophie Arlet
Gelesen 2393 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 05 November 2015 12:57